Die erste HOCHRECHNUNG: Wer hat den Social Media Wahlkampf gewonnen?

Österreich wählt heute ein neues Staasoberhaupt, bzw. zwei Bewerber die dann 4 Wochen später in die Stichwahl kommen werden.

Für mein heutiges Summary der letzten Wochen und Monate stellte ich mir die Frage wie das plattformübergreifende Gesamtbild aussieht? Wer konnte die meisten Menschen erreichen und am WählerInnenmarkt die meiste Interaktion für sich verbuchen? Liegen die KandidatInnen auch hier im Trend der meisten Meinungsumfragen und der Google Trends die allesamt Alexander van der Bellen in Front sehen?

Die Antwort darauf hab ich gleich für Sie, zuvor lasse ich aber nochmal Revue passieren wie sich die Performance auf den einzelnen Plattformen seit Jahresbeginn entwickelt hat. Wie immer war mir dabei mein Lieblingsanalysetool Fanpagekarma behilftlich.

 

Facebook

Alexander van der Bellen startete hier einem großen Vorsprung in Rennen. Anderes als das restliche Bewerberfeld war er schon vor der Kandidatur auf Facebook aktiv und verfügte damit schon vom Start weg über eine entsprechende Fanbase. Er bekommt auch die meiste „Fanpost“ und seine Seite fällt mit dem besten Servicelevel und einer sehr kurzen durchschnittlichen Antwortzeit auf.

Norbert Hofer ermöglicht es Usern erst gar nicht auf seine Wall zu posten und bekommt somit auch keine Fanpost. Er lieferte aber ansonsten eine rasante Aufholjagd und geht zum Wahlkampffinish nicht nur mit den meisten Fans, sondern auch mit einer absoluten Mehrheit an Interaktionen ins Ziel. Die übrigen Kandidaten fallen zumindest bei Betrachtung der KPIs nicht wirklich auf.

 

Instagram

Wird nur von Alexander van der Bellen, Norbert Hofer und Richard Lugner genutzt. VDB führt hier bei allen Werten haushoch und gewinnt das Match um diesen Kanal klar.

Twitter

Irmgard Griss twittert zwar von allen KandidatInnen am fleißigsten, bei allen anderen wichtigen Messwerten hat aber auch hier Alexander van der Bellen die Nase klar vorne. Norbert Hofer hat zwar mehr Follower als Irmgard Griss, bekommt hier aber – ganz anders als auf Facebook – deutlich weniger Interaktion.

Youtube

Bei oberflächlicher Betrachtung gewinnt Richard Lugner das Match um diesen Channel. Saldiert man aber Likes und Dislikes, hat Lugner den größten Negativsaldo. Nach ihm die meisten Views verzeichnet Rudolf Hundstorfer, allerdings auch mit einem Negativsaldo aus Likes und Dislikes. Einen positiven Saldo haben auch hier die drei Favoriten für die Stichwahl: Norbert Hofer, knapp vor Alexander van der Bellen, gefolgt von Irmgard Griss.

 

Wie schaut das Rennen nun plattformübergreifend aus?

Anders als Google Trends und die meisten Meinungsumfragen, zeigt die plattformübergreifende Analyse von 934.746 ausgewerteten Interaktionen in Form von Shares, Retweets, Likes, Dislikes und Kommentaren nicht Alexander van der Bellen als Frontrunner. Norbert Hofer kann mit 52% eine absolute Mehrheit an Interaktionen verbuchen. VDB folgt ihm mit 22,97% Alle anderen KandidatInnen kommen nur auf einen einstelligen Marktanteil bei den Interaktionen. Interessanter Weise liegen Sie in der Reihenfolge wie in praktisch allen Umfragen: Griss 9,12%, Hundstorfer 6,74%, Khol 5,56 und Lugner 3,47%.

Anteil an Gesamtinteraktionen

Anteil an Gesamtinteraktionen

Auch meine (qualitative) Bewertung für den Kurier bestätigt den Trend zu drei Frontrunnern

Alexander van der Bellen ist von allen Kandidaten in Sachen Social Media am besten aufgestellt. Umso erstaunlicher, dass man es verabsäumt hat gegen die Aufholjagd von Norbert Hofer auf Facebook gegenzusteuern. Wie schon in meiner ersten Bewertung angemerkt, vermisse ich direkte Ansprache und Austausch mit den Usern. Sein Team macht aber beim Beantworten von Userposts den besten Job.

Irmgard Griss ist auf den von ihr bespielten Kanälen die wahrscheinlich Fleißigste, wendet sich auch persönlich an die NutzInnen ihre Channels und setzt stark auf Inhalte. Umso erstaunlicher, dass man sich gegen eine Nutzung von Instagram oder z.B. auch Snapchat entschieden hat um junge Wählergruppen zu erreichen.

 


Norbert Hofer
ist wie von der FPÖ gewohnt gut darin Content zu liefern der zu viel Interaktion und Reichweite führt. Einen echten Dialog führt man aber nicht bzw. versucht man sogar zu unterbinden, #notsosocial aber erfolgreich.
Weniger erfolgreich die drei übrigen Kandidaten:

Andreas Kohl glänzt auf Twitter und Instagram mit Abwesenheit. Tritt auf Facebook dafür persönlich auf. Insgesamt hat man aber Social Media als Wahlkampftool eher vernachlässigt.

 


Rudolf Hundstorfer
kam mit seinem Social Media Wahlkampf nie so recht vom Fleck, nutzt die Möglichkeiten der diversen Plattformen nicht entsprechend aus und braucht am längsten bei der Beantwortung von Fanposts.

 


Richard Lugner
s Wahlkampfstrategie dürfte zumindest anfang „Auffallen um jeden Preis“ gewesen sein. Zumindest auf Youtube ist ihm das gelungen…

 

 

Summary

Auch 8 Jahre nachdem Barack Obama seinen ersten Wahlkampf mit Hilfe von Social Media gewonnen hat, hat man hierzulande immer noch nicht gelernt einen wirklich professionellen Social Media Wahlkampf zu führen. Niemand wendet sich regelmäßig direkt an seine Fans und Follower. Die Trend-Plattform der Stunde Snapchat wird erst gar nicht genutzt. Dabei würde man hier wahrscheinlich schon mit bloßer Präsenz positiv auffallen und junge WählerInnen erreichen können. Auch das in Österreich zweitgrößte Social Network Instagram wird nur von einem kleinen Teil und davon wiederum nur von VDB professionell eingesetzt. Warum wirft man nicht mal einen Blick über den großen Teich und schaut sich an wie geschickt und umfangreich dort Social Media Plattformen (ja auch Snapchat!) im aktuellen Vorwahlkampf genutzt werden?

Das Social Media Rennen um die Hofburg

Letzte Woche habe ich mir angeschaut wie sich die BewerberInnen auf Facebook geschlagen haben. Bevor ich verrate was sich hier seither getan hat, werfe ich diese Woche einen Blick auf die Performance der Instagram und Twitter Aktivitäten der KandidatInnen. Auch diese Woche verwende ich dazu mein Lieblings-Analysetool Fanpagekarma.

 

Instagram

Erstaunlicherweise nutzen nur Alexander van der Bellen, Norbert Hofer und Richard Lugner die vergleichsweise junge aber mittlerweile doch zweitgrößte Social Media Plattform in Österreich. Von oder für Irmgard Griss wurde zwar ein Profil angelegt, das aber inaktiv und auf privat gesetzt ist. Interessant, dass man bei vdb im Gegensatz zum Facebook Auftritt auf Instagram per Du mit den UserInnen ist.

Norbert Hofer verzichtet hingegen gänzlich auf Texte zu seinen veröffentlichten Bildern und auch vom auf der Plattform üblichen und wichtigen Einsatz von #Hashtags macht er nicht Gebrauch.

Die Performance der Bewerber lässt sich hier kurz zusammenfassen: van der Bellen liegt hier bei allen wichtigen Werten von der Followerzahl, über Engagement und Wachstum, bis zur absoluten Anzahl an Interaktionen, weit vor Norbert Hofer und Richard Lugner.

Twitter

Hier sind außer Andreas Khol alle vertreten und so unterschiedlich die BewerberInnen, so unterschiedlich schauen die einzelnen Werte aus.

Alexander van der Bellen hat die mit Abstand meisten Follower und kann die meisten Retweets verzeichnen. Bei der Engagement- und Interaktionsrate liegt Rudolf Hundstorfer vorne, gleichzeitig hat er aber auch die kleinste Followerschaft.

Am fleißigsten getweetet wird von Irmgard Griss, die auch bei den Likes die Pole Position einnimmt.

Norbert Hofer hingegen ist fleißig am Retweeten vieler Inhalte ohne erkennbarem Bezug zu ihm oder dem Wahlkampf wie z.B. Vintage Aufnahmen von @oldpicsarchive . Richard Lugner hingegen ist hier weniger fleißig am tweeten. Sein letzter Tweet stammt vom 19.3. unteranderem deshalb fliegt er hier mit seinen Aktivitäten weitgehend unter dem (Wähler)Radar.

Was hat sich auf Facebook seit letzter Woche getan?

Alexander van der Bellen und Irmgard Griss haben Facebook live eingesetzt, leider nicht wirklich zur persönlichen Interaktion mit den Fans.

Außerdem verbucht Norbert Hofer nun neben den meisten Interaktionen auch die meisten Fans und hat Alexander van der Bellen überholt.

 

Meine Bewertung in Form von Daumen

…und meinen Tipp der Woche an die KandidatInnen, gibts auf Kurier.at

 

Wer gewinnt den Social Media Wahlkampf?

Die BundespräsidentschaftskandidatInnen und ihre Mühen im Social Web.

Der Kurier hat mich eingeladen die Social Media Performance der BundespräsidentschaftskandidatInnen zu bewerten. Einige Ergebnisse meiner Analyse haben mich dann doch ziemlich überrascht, aber dazu später mehr.

Spätestens seit Obama 2008, für viele überraschend, mit einem exzellent geführten Social Media Wahlkampf erst die Vorwahlen gewann und dann in weiterer Folge tatsächlich auch Präsident wurde, diskutieren Politbeobachter den Einfluss der Social Media Aktivitäten auf Wahlergebnisse.

8 Jahre später führen auch bei uns alle KandidatInnen ihren Wahlkampf auf Facebook und Co. Wie gut sie das schaffen und ob sie die Möglichkeiten des Social Webs auch wirklich voll nutzen, darf ich mir für Sie die nächsten 4 Wochen genauer anschauen. Heute starte ich mit einem Facebook Schwerpunkt und analysiere für Sie die wichtigsten Performance-Werte mit Hilfe des Social Media Monitoring Tools www.fanpagekarma.com

Wer hat die meisten Fans?
Hier ist Alexander van der Bellen, der als Einziger auch vor der Kandidatur einen Facebook Auftritt hatte, mit einem ordentlichen Vorsprung ins Rennen gegangen und liegt auch immer noch an erster Stelle. Über die stärksten Zuwächse darf sich hier aber Norbert Hofer freuen und auch Andreas Khol kann stark wachsen, während das restliche BewerberInnenfeld nur langsam zulegt.

BPW_Anzahl_Fans

Wie häufig wird gepostet?

BPW_Anzahl_Posts
Hier liegt Norbert Hofer mit 130 Posts innerhalb der letzten 28 Tage vorne, gefolgt von Irmgard Griss und Alexander van der Bellen. Ob diese hohen Taktzahlen von der NutzerInnenschaft auch gut angenommen werden, verrate ich etwas später 😉

Richard Lugner ist hier übrigens auffallend und für mich sehr überraschend recht zurückhaltend.

Wer hat die höchste Interaktion?
Die Postinteraktion ist ein sehr guter Messwert um zu beurteilen wie gut der Content von der NutzerInnenschaft angenommen wird.

BPW_Postinteraktion_gew

Setzt man also die Anzahl der Fans in Relation zu den Interaktionen mit den Posts der Kandidaten und gewichtet dabei Shares höher als Kommentare und Likes, schneidet Rudolf Hundstorfer am besten und der Umfragekaiser VDB am schlechtesten ab. Für die Social Media ManagerInnen Alexander van der Bellens sollten spätestens an dieser Stelle die Alarmglocken schrillen. Schaut man sich nämlich die historischen Daten der Seite an, stellt man fest, dass die Postinteraktion vor Beginn des Wahlkampfes deutlich besser war. Im September 2015, dem Monat vor der Wien Wahl, lag hier die gewichtete Postinteraktion bei 4,3% während man im März 2016 auf nur 1,2% kommt.

In absoluten Zahlen dominiert Norbert Hofer bei Likes, Kommentaren und vor allem bei den Shares vor VDB. Ein weiteres Warnzeichen für alle übrigen KandidatInnen, ganz besonders für den Favoriten VDB.

BPW_Interaktionen_kum

BPW_LikesBPW_KommentareBPW_Shares

Wie stark wird die Wall der Kandidatinnen genutzt?
Hier liegt Van der Bellen, vor Khol, Hundstorfer und Griss. Hofer und Lugner haben diese Funktion auf ihren Seiten gesperrt. Nicht wirklich „social“ also.

BPW_Fanposts

Der mit Abstand meiste Austausch unter den UserInnen findet auf der Seite von VDB statt:

BPW_Kommentare_an_Fanposts

Wie gut wird auf Wallposts eingegangen?

BPW_Reaktion_Fanposts

Hier liegt ebenfalls VDB vorne. Insgesamt aber ein äußerst ernüchterndes Bild. Im Schnitt wird von den BewerberInnen ums höchste Amt des Staates bzw. ihren Teams nur auf 36% der Userposts reagiert. Immerhin sind die Reaktionszeiten bei VDB, Khol und Griss mit round about 2h recht gut. Auf der Seite von Hundstorfer warten User im Schnitt 20 lange Stunden auf Antwort. Die Idee „Echtzeitweb“ ist hier nicht wirklich angekommen.

BPW_Antwortzeit

Wie persönlich oder „volksnah“ geben sich die Auftritte?
Neben all den Performance-Werten interessiert mich bei einer Persönlichkeitswahl aber vor allem wie nahbar, menschlich und persönlich sich die Auftritte geben. Erstaunlicherweise geht hier die Ausrichtung der Auftritte weit auseinander. Was ich dazu herausgefunden habe, wie viele Daumen ich den KandidatInnen gegeben haben und welche Empfehlungen ich für die AnwärterInnen haben, wird hier verraten.

Sinkende organische Reichweiten auf Facebook?

Genauso oft wie man von Userschwund hört, hört man von sinkenden organischen Reichweiten bei Facebook.

Häufig geht das einher mit dem Vorhaben weniger Posts zu machen, dafür aber alle Posts mit Budget zu pushen.

Dass dieses Vorhaben falsch ist und es nicht stimmt, dass Posts auf Facebook keine guten organischen Reichweiten mehr erzielt werden, zeigen diese drei Posts von SPiNNWERK Kunden (danke an alle Genannten, dass wir die Posts zeigen dürfen!)

innocent

innocent ist einer unserer Kunden mit den besten organischen Reichweiten. Hier wird konsequent an Content gearbeitet der die Marke transportiert und die Community unterhält. Ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit:

Fans in DE: 126k

Erreichte User mit diesem Post: 182k

Organische Reichweite: 144% (!!!)

Wegen der 20% Text Regel, konnte dieser Post nicht promotet werden.

Folgte man der Strategie „promoted only“ hätte es diesen Post erst gar nicht gegeben.

Untitled

Langnese

Wenn erwachsene Menschen an Eis denken, denken sie gleichzeitig häufig an unbeschwerte Kindheitserinnerungen die sie damit verbinden. Retro Inhalte funktionieren hier immer schon sehr gut. Deshalb haben wir einen ganzen Monat unter das Motto Retro gestellt und haben auch hier ein Best Practice Beispiel:

Fans in DE: 56k

Erreichte User mit diesem Post: 97k

Organische Reichweite: 173% (!!!)

Wegen der 20% Text Regel, könnte auch dieser Post nicht promotet werden.

Folgte man der Strategie „promoted only“ hätte es diesen Post auch nicht gegeben.

Untitled2

Polar

Die „Krönung“ unter unseren Beispielen ist aber dieser Post für Polar:

Fans in AT: 10k

Erreichte User mit diesem Post: 104k

Organische Reichweite: 1040% (!!!)

Dieser Post wurde mit einem kleinen Budget promotet

Untitled4

 

Unser Empfehlung

Konsequent an Content zu arbeiten, der von der Zielgruppe gut angenommen wird. Außerdem 5-7 Posts pro Woche auf unterschiedliche Zeiten verteilt, ergeben gute organische Wochenreichweiten ohne die Community zu nerven.

Last but not least: nur was organisch gut performt, wird paid gut performen.

 

Und so schauts abseits der Bühne aus

Die Social Media Perfomance der österreichischen ESC Finalisten

Einen Tag vor dem großen österreichischen Vorentscheid hab ich mit Hilfe des Analysetools Fanpagekarma die Performance der Facebook Seiten der Finalisten unter die Lupe genommen und wage eine Prognose für den Ausgang morgen Abend…

ZOË konnte die meisten Fans gewinnen.

ESC Acts - Anzahl Fans Die Folkshilfe führt bei der wichtigen Kennzahl Post-Interaktion. Bildschirmfoto 2015-03-11 um 22.47.00 Johann Sebastian Bass bekommen die meiste Fanpost. Bildschirmfoto 2015-03-11 um 22.47.42 DAWA und Johann Sebastian Bass kümmern sich am besten um ihre Fans. Bildschirmfoto 2015-03-11 um 22.56.51 Die Folkshilfe verbucht, gefolgt von The Makemakes, die meisten Likes unter ihren Postings. Bildschirmfoto 2015-03-11 um 22.47.22 Die Folkshilfe ist haushoch führend bei den Shares. Bildschirmfoto 2015-03-11 um 22.47.33 Die Folkshilfe erhält die meisten Kommentare zu ihren Posts. Bildschirmfoto 2015-03-11 um 22.47.10 Wenn man also von den wichtigsten KPIs ausgeht, lässt sich ein oberösterreichischer Sieg prognostizieren! Man darf gespannt sein, ob ich mit der Prognose richtig liegen werde 😉

Besser ein kleines Zeichen setzen, als kein Zeichen setzen!

Als ich am Samstag einen Stadtspaziergang machte, passierte einer dieser Momente. Momente die einen betroffen machen, ganz tief drinnen. Dabei müsste es diese Momente im Stakkato geben. Unsere Newsfeeds in den Sozialen Netzwerken, die Nachrichten in Radio und TV, oder die Zeitungen sind voll damit:

Horrormeldungen über Krieg, Leid, Flüchtlingsströme, Finanzkrisen, Bankenpleiten usw… Irgendwie ist das aber alles weit weg von einem selbst, oder man schiebt es einfach von sich weil es Wichtigeres gibt.

 

Es gibt Wichtigeres

DAS Totschlagargument schlechthin. Damit lässt sich alles ganz bequem relativieren, was einem grad einfach irgendwie zu mühsam ist. Und so passiert es, dass so viel passiert, bei dem wir uns fragen „Warum tut da keiner was dagegen?“

Diesen Samstag ist etwas passiert, wogegen ich als Person und wir als SPiNNWERK aber etwas unternehmen wollen. Es passierte praktisch vor unserer Haustür: Die Fassade der Rosa Lila Villa wurde mit Morddrohungen besprüht. „Töte Schwule“ stand da auf Deutsch und Serbisch.

Bildschirmfoto 2014-09-28 um 22.41.46

DerStandard.at, Wien Heute oder die Community News Seite GGG.at berichteten und Hunderte fanden sich Sonntag nachmittag zu einer Solidaritätskundgebung ein.

 

Während andere es als Schmierereien von irgendwelchen dummen Buben (Mädels würde man wohl nicht verdächtigen) abtun und sich Wichtigerem zuwenden. Soll sich die Polizei drum kümmern oder die Politik, Hauptsache irgendwer anderes. Und ich verstehe diese Reaktion sogar ein bisschen.

Aber es geht auch anders. Man kann zur Demo gehen und man kann auch einfach ein bisschen überlegen was man sonst noch tun könnte. Und am besten tut man das, was man selbst am besten dagegen tun kann.

 

#DedicateYourWall

Also haben wir SPiNNWERKenden kurzerhand beschlossen eine Kampagne zu starten, eine Bewegung in den Sozialen Netzwerken.

Dahinter steht eine ganz einfache Idee, auf die ich in diesem einen Moment gekommen bin. Ich musste daran denken wie ich mich gefühlt habe als ich am 10. Mai in Kopenhagen vor einer Bühne stand, auf der Conchita Wurst ihre Siegesrede hielt. Und da fiel es mir wieder ein, ich wollte doch versuchen zumindest ein bisschen #unstoppable zu sein.

Mit DedicateYourWall rufen wir deshalb dazu auf zumindest seine Pinnwand einer positiven Botschaft zu widmen und ihr einen rosa Anstrich zu verpassen:

Bildschirmfoto 2014-09-29 um 00.29.59

 

Damit kann JedeR zumindest ein kleines Zeichen setzten. Ein Zeichen dafür, dass uns Hassparolen, Hetze und Gewalt – egal gegen wen sie sich richten – nicht wurscht sind, nicht wurscht sein dürfen und dass es dafür keinen Platz gibt, nicht auf den Wänden und Fassaden unserer Stadt und schon gar nicht in unser Gesellschaft. Wir wissen nämlich wohin das führt…

4 ist das neue 10 und warum eigene Projekte die schwierigsten sind…

…Friseure gehen seltener zum Friseur als deren Kunden. Architekten planen wahrscheinlich kaum etwas so lange wie deren Eigenheim und wir SPiNNWERKenden arbeiten an unserer eigenen Website viel länger als an anderen vergleichbaren Projekten und das ist gut so weil:

  • Kundenprojekte sind immer wichtiger und dringender
  • Niemanden kritisieren wir so hart wie uns selbst
  • Ideen und Features fallen uns auch immer wieder neue ein
  • Parallax Scrolling darf z.B. auf gar keinen Fall fehlen
  • Und eh klar, eine nagelneue Website muss natürlich responsive sein
  • Und überhaupt gibts ständig neue Trends, die in der Online-Welt fast schneller kommen und gehen als in der Mode

2012 waren wir schon mal fast fertig und hätten dieses Design beinahe an den Start geschickt:

 

SPiNNWERK-screendesign_v108-contentPage

Da sieht man schön was wir alles vorhatten, aber wieder verworfen haben weil sich ein neuer Megatrend angekündigt hat:Flat Design.

Als hieß es alles auf Anfang. Heute feiern wir unseren 4. Geburtstag. Für eine Agentur ist das noch recht jung und knackig, eine 4 jährige Website ist heutzutage aber schon fast steinalt. Deshalb haben wir uns einen neuen Look und eine neue Website geschenkt.

Ihr werdet es wahrscheinlich nicht merken, aber sie ist natürlich noch nicht wirklich fertig, weil das eine Website eigentlich nie ist und man ständig daran arbeiten sollte und weil wir noch ganz viele Ideen haben und ganz viel Content produzieren wollen und überhaupt…

Da fällt mir grade dieses wunderhübsche und recht schlaue Zitat von Les Brown ein: „Shoot for the moon… ‚cause even if you miss, you’ll end up in the stars“; schönes Schlusswort eigentlich, aber ich will euch ja noch fragen, wie sie euch gefällt und wie es euch mit eigenen Projekten so geht?

PS.: und hier noch ein Andenken an unsere Website 1.0, das waren noch Zeiten…

 

SPiNNWERK Homepage von 2010 bis 2014

Das größte Stück vom Kuchen und warum es einem im Hals stecken bleibt

Dieser Tage gehen die Wogen in Österreichs (Online)Werbewelt hoch. Grund für die Aufregung: Der Marketingleiter der NÖM, Erik Hofstädter erklärte in einem Interview mit dem Horizont, dass er Online fast gänzlich aus seinem Mediamix gestrichen hat. Ei der Daus wie kann er nur?

Als Grund nennt er unter anderem nicht messbare Erfolge. Spätestens an dieser Stelle des Interviews drängen sich dem beherzten online affinen Leser ganz viele Fragen auf. Nicht ohne einer kräftigen Portion nachvollziehbaren Zynismus stellte sich – ebenfalls im Horizont – Dieter Rappold von VI Knallgrau viele dieser Fragen.

TorteBlogkleinWenn ich dann heute im IAB Ad Revenue Report 2013 lese, dass in den USA Online erstmals das größte Stück des Werbegeld- kuchens geholt hat und Mobile um über 50% zulegte, frage ich mich nur warum wir Onliner es hierzulande immer noch nicht geschafft haben, Marketingentscheider zu überzeugen, dass sich das Mediennutzungsverhalten so wild geändert hat und weiterhin recht flott ändern wird, dass sich die Frage ob man in Online investieren sollte gar nicht mehr stellt.

Die Frage muss vielmehr sein wie und wo man mit welchem Ziel investiert und von wem man sich dazu beraten lässt. Und das Wichtigste wird wohl sein wie man die gesteckten Ziele misst.

Eine solche Möglichkeit zur Erfolgsmessung – die nicht nur Onliner sexy und funky finden werden – bietet übrigens die GFK  in Deutschland mit ihrem Media Efficiency Panel. Damit konnte z.B. die Nestlé Brand Maggi herausfinden, dass mit Facebook Ads innerhalb einer getesteten Kampagne mit nur 8% des eingesetzten Budgets 19% der campaign driven sales erzielt werden konnten. Not bad, right?

Vielleicht kann Herrn Hofstädter ja diese Präsentation von Florian Renz – letzten Herbst übrigens famos vorgetragen bei der AllFacebook Marketing Konferenz – überzeugen? 😉

Alles neu macht… Facebook

Wundern Sie sich nicht, wenn im Laufe der kommenden Wochen plötzlich alles anders wird: Facebook, das derzeit größte soziale Netzwerk mit über 750 Millionen weltweiten Nutzern, baut die Plattform in vielen Bereichen um. Auch die über 2,6 Millionen österreichischen User werden in den nächsten Tagen und Wochen mit den neuen Funktionalitäten ausgestattet (das Roll-Out wird sich wegen eines Rechtsstreits voraussichtlich verzögern, berichtet t3n.de). Anlässlich der Entwicklerkonferenz f8 präsentierte Facebook kürzlich die anstehenden Neuerungen:

Timeline: „Die Geschichte deines Lebens“

Die Profilseiten werden vollkommen neu dargestellt: Die so genannte „Timeline“ (in der deutschen Version „Chronik“ genannt) soll eine chronologische Abbildung der Online-Identität jeweiligen Nutzers darstellen, quasi ein digitales Tagebuch von der Geburt bis zum Hier & Jetzt. „Timeline ist die Geschichte deines Lebens“, so Mark Zuckerberg über den neuen Profil-Aufbau.

Facebook Timeline

Facebook Timeline, das Profil im neuen Look & Feel

Ein breitformatiges Coverbild heißt den Betrachter willkommen, darunter sind Profilfoto und die Hauptinformationen wie Beruf, Ausbildung, Wohn- und Heimatort etc. (je nach Privatsphäreeinstellungen) zu finden. Die bisher als „Reiter“ unter dem Profilfoto verlinkten Elemente wie Freunde, Fotos, Check-Ins und „Gefällt mir“-Angaben sind mit kleinen Vorschaubildern in komprimierter Form dargestellt. Am rechten Rand sind die einzelnen Jahre der Facebook-Nutzung aufgelistet, beispielsweise 2011 – 2010 – 2009 – 2008 und „Geburt“; der jeweilige Facebook Freund kann somit gezielt die Aktivitäten, Inhalte und Status Updates des jeweiligen Jahres wie in einem Album durchblättern. Der Profilinhaber kann auch zu den jeweiligen Jahren noch nachträglich Inhalte hinzufügen, sowie wichtige Beiträge größer anordnen und unwichtige Beiträge verstecken.

Für Facebook Werbung ändert sich derzeit nicht viel – die Ads werden wie auch bisher auf der rechten Seite neben den Profilen ausgeliefert. Über kurz oder lang werden allerdings auch die Unternehmensseiten optische und funktionelle Anpassungen erhalten, erste Ansichten der neuen Designs sind beispielsweise auf allfacebook.de nachzulesen.

Hauptmeldungen vs. neueste Meldungen

Der „Newsfeed“ (deutsch: „Neuigkeiten“) wird ebenfalls neu aufgebaut: Die Postings sind ab der Umstellung unterteilt in „Hauptmeldungen“ und „neueste Meldungen“, wobei die Hauptmeldungen immer an erster Stelle stehen. Erst nach einigem Scrollen können weiter unten auch die chronologisch sortierten neuesten Meldungen abgerufen werden.

Facebook Newsfeed Neu

Facebook's neuer Newsfeed

Die Reihung von Postings als „Hauptmeldung“ passiert über einen Algorithmus, den so genannten „Edge Rank“. Dieser summiert Faktoren wie Alter / Aktualität des Beitrags, die Affinität des Users zur jeweiligen Facebook-Seite (Wie oft diese aufgerufen oder mit ihr in Form von Likes und Kommentaren interagiert wird) sowie Gewichtung des Beitrags (zB ein eingebetteter Link) und kategorisiert demzufolge das Posting als für den User relevant – oder auch nicht. Um gleichzeitig zu den Hauptmeldungen auch „neueste Aktivitäten“ von Freunden abzubilden, hält ein „Ticker“ über aktuelle Check-Ins und Postings auf dem Laufenden.

Für Unternehmensseiten bedeutet die neue Gewichtung je nach Edge Rank, dass sich die Postings künftig noch mehr um Relevanz und Qualität bemühen müssen, um entsprechende Interaktion und damit eine Reihung innerhalb der Hauptmeldungen ihrer Fans zu erreichen. 08/15-Inhalte werden zukünftig nicht mehr ausreichen; eine durchdachte Redaktionsplanung und zielgruppenadäquate Ansprache der eigenen Community werden immer wichtiger.

Fazit: Facebook bemüht sich, seinen Usern noch gezielter relevante Beiträge darzustellen und optisch ansprechend aufzubereiten – Unternehmen müssen sich dahingehend zukünftig noch mehr Gedanken über adäquate redaktionelle Inhalte, zielgruppengerechte Aktionen und entsprechende App-Entwicklungen machen. Ob sich das soziale Netzwerk damit auch in Zukunft seine Vormachtstellung sichern wird können bleibt abzuwarten.

Wir wünschen in jedem Fall viel Spaß mit dem „neuen“ Facebook!

Posting-Intervall: Je öfter desto gut?

Die folgende Frage wird immer wieder gestellt, wenn es um die Bespielung von Corporate Social Media Kanälen geht: „Wie viele Postings pro Tag/Woche sind ideal?“.

„Learn from the Best“ fand ich immer schon gut, daher habe ich mir im Detail angeschaut wie ein Spitzenreiter des neuen Social Media Ranking seine Social Media Aktivitäten gestaltet:

Top 10 Social Media Ranking KW2/11

Top 10 Social Media Ranking KW2/11

Betreffendes Ranking wurde von Super-fi, Monopol und m-otion.at aus der Taufe gehoben und befindet sich derzeit im Status „public alpha“. Endlich ein Tool, das beim Definieren von Benchmarks im Social Media Marketing hilfreich sein kann, dachte ich mir. Besonders erfreulich auch die Tatsache, dass nicht einfach nur ein Ranking nach Fananzahl vorgenommen wird. Der Score setzt sich zusammen aus drei Messgrößen: Fan/Follower-Anzahl, eigene Aktivität (Anzahl der Tweets/Postings) und Faninteraktion (Retweets, Likes, Kommentare). Klingt gut – ist es auch, wenn die Gewichtung stimmt. Und – surprise, surprise – das Ranking birgt so manche Überraschung (ein Blick lohnt sich)!

Im Spitzenfeld findet sich KTM (KW 1 Platz 1, KW2 Platz 3). Wenn man sich die Aktivitäten der Marke allerdings genauer anschaut, fragt man sich schnell, ob mehrere Wall-Postings pro Tag nicht schon hart an der Grenze zu Spam sind. Will man an einem Samstag wirklich 5 mal etwas über seine Lieblingsmotorradmarke lesen? Und ist es überhaupt sinnvoll, auf Facebook und Twitter exakt die gleichen Inhalte zu spreaden?

Offensichtlich gewichtet die Methodik des Rankings die eigene Aktivität der jeweilige Seite besonders hoch. Eine weitere offene Frage ist, ob Twitter nicht stark überbewertet wird – beispielsweise schafft es der zweifelsohne lesenswerte Armin Wolf mit seinen Tweets auf Platz 7 in der Gesamtwertung des Rankings, und das ohne auf Facebook aktiv zu sein.

Dabei ist Twitter in Österreich nach wie vor nicht sonderlich weit verbreitet: Laut Social Media Radar hat Facebook aktuell 2.249.420 aktive Nutzer, Twitter hingegen magere 12.708!

Social Media Radar Twitter Nutzerzahlen

Social Media Radar Twitter Nutzerzahlen

Nach den Ausflügen in Rankings, Methoden und Zahlen nun aber zurück zur eigentlichen Frage:

Welches Posting-Intervall ist nun ideal?

Die ultimative Formel dafür gibt es wohl nicht. Unsere Agenturempfehlung für Facebook Unternehmensseiten lautete bisher: 2-3 Postings pro Woche, und nur wenn entsprechend relevanter Content verfügbar ist (Medienunternehmen unterliegen dahingehend naturgemäß anderen Gesetzmäßigkeiten).

Wie eine Studie von Dan Zarella, Autor des Buches „The Facebook Marketing Book“ zeigt, ist diese Einschätzung gar nicht so falsch:

Er hat über 2.600 Fanpages untersucht und folgendes herausgefunden: 1. Seiten, die seltener als 1x täglich posten, erhalten die meisten Likes 2. Die Anzahl der Likes geht stark zurück, wenn die Seite öfter als 3x täglich postet.

Effect of Posts by Dan Zarella

Effect of Posts Per Day on Page Likes by Dan Zarella

Bei genauerer Betrachtung der Seiten mit weniger als einem Posting pro Tag stellte er fest, dass Seiten, die jeden zweiten Tag posten, die im Verhältlnis zur Fanzahl meisten Likes bekommen – ergo die höchste Interaktionsrate vorweisen.

Effect of Posts by Dan Zarella

Effect of Posts by Dan Zarella

Was lernen wir daraus?

  • Das neue Social Media Ranking hat (noch) ein Gewichtungsproblem
  • Man sollte sich nicht dazu hinreißen lassen, häufiger zu posten nur um im Ranking zu steigen
  • Mehrere Postings pro Tag werden weniger „geliked“
  • Wenn man öfter als jeden zweiten Tag was zu sagen hat, sollte es für die Fans wirklich relevant sein