Buzzattack: Digitale Reputation für Einsteiger

OH! Himmel

Rosige Zeiten für Buzz Marketing? Oder nur bei Betrachtung durch die rosarote Werber-Brille? Der Himmel über Wien versprach jedenfalls gute Aussichten. (c) OH! Photography

Buzzattack! Die ausverkaufte Buzz-Marketing-Konferenz zum Thema Digitale Reputation fand am 19.10.2010 am Kahlenberg bei Wien statt. Werbefachleute, KommunikationsexpertInnen, HR- & PR-Verantwortliche sowie interessierte Medienmenschen beschäftigten sich einen Tag lang mit integrierter Online-Kommunikation und digitaler Identität in Zeiten von Social Media.

Opener: „Um echte Menschen zu treffen, gehe ich ins Kaffeehaus“.

OH! iPad Faces

iPad Faces. Echte Menschen? (c) OH! Photography

Sabine Hoffmann, Veranstalterin der Buzzattack! und Geschäftsführerin von ambuzzador, eröffnete die Konferenz mit einem Intro der Science Busters über Social Media:

Ihre darauffolgende Einführung zu Buzz Marketing spannte den Bogen von partizipativen Medien sowie Influencers und Communities über Social Service Rooms bis zu einer neuen Social Media Studie. Dann wurde die Bühne für die Speaker freigegeben – 4 Themenblöcke mit jeweils 3 Vorträgen. Dichtes Programm für knapp 8 Stunden Buzz.

1. Digitale Reputation: „Der Kreis des Vertrauens wird erweitert.“

Nach dem Opening durch Dr. Harald Katzmaier (CEO FAS.research) über Social Network Analysis erteilte Mag. Charlotte Hager (CEO comrecon und repconsult) eine Einführung zu Reputationsmanagement in  5 Steps:

  1. Diagnose: Evaluierung, Ist-Situation erheben
  2. Strategie: Definition, Defizite und Lücken erkennen, Ziele formulieren
  3. Manual: Konzeption, Maßnahmenkatalog, Implementierung
  4. Steuerung: Realisierung, Anpassung, langfristige Bindung
  5. Control: Überprüfung, Monitoring

Nach ihr übernahm Loic Moisand (CEO synthesio SAS) und sorgte für einen ersten Höhepunkt. Er stellte 4 Typologien von Marken in Social Media vor (Boring / Functional / Exciting / Vital Brand) und rät: „Know your brand’s social profile to drive your digital strategy“. Eine wahre Aussage, nachdem Social Media Engagement nur in Abstimmung mit einer konsistenten Kommunikationsstrategie langfristig erfolgversprechend sein kann.

Als Anti-Beispiel für die „Boring Brand“ stellt er comparethemarket.com vor:

2. Digitale Identität: „(Shameless) Self-Promotion.“

Der zweite Block wurde von Rainer Novak (Die Presse) stellvertretend für Michael Fleischhacker eröffnet. Authentizität und Relevanz sind für ihn die wichtigsten Eigenschaften eines guten Blogs; im Gegensatz zu weitverbreiteten Ich-Kolumnen und der öffentlichen Besprechung von Befindlichkeiten. Sehr wohl Ich-zentriert, allerdings im Sinne von Narzissmus vs. Notwendigkeit: Niko Alm (Geschäftsführer Super-Fi GmbH) mit seinem Input über mehr oder weniger shameless Self-Promotion. Er beschreibt Community Driven Communication „The Medium is the Messenger: Das Medium, das mich berührt, ist der Botschafter selbst“ sowie die Morphologie dieser Ich-Medien: „Wir sind alle ein Medium, teilen Inhalte, haben Zielgruppen, Reichweite und mehr oder weniger Relevanz.“. Während Reputation kontinuierlich und bestenfalls im Kontext mit einem Thema aufgebaut werden muss, existiert Relevanz nur temporär.

Der anschließende rechtliche Teil der Buzz-Konferenz wurde von Mag. Wolfgang Renzl (Anwalt für Medien- und Immaterialgüterrecht) eingebracht, er erklärte private und kommunikative Persönlichkeitsrechte in Social Media – von Contentproduktion und Kommunikationsfreiheit bis zum Rechtsgrundsatz „audiatur et altera pars“: Sachliches Entkräften von emotionalen Untergriffen bzw. Deeskalation und das Lernen von Kritikfähigkeit sind für ihn wichtige Steps in der sozialmedialen Kommunikation.

3. Digitale Markenführung: „Social. Simple. Speed. Share.“

Die groß angekündigte Östereich Premiere von Facebook in der Person von F. Scott Woods (Facebook Germany GmbH) war leider enttäuschend – ausschließlich Werbemöglichkeiten wurden präsentiert am Beispiel von Großkunden wie Starbucks, Coca Cola & internationaler Fluglinien. In wie weit sich die Kampagnen solcher Power-Brands für das Social Media Engagement mittelständischer Unternehmen eignen, ist fraglich. Nichtsdestotrotz hat Woods 4 Tipps für eine erfolgreiche Facebook Präsenz parat: Social. Simple. Speed. Share. Zu Deutsch: Sie sollte ein soziales Erlebnis darstellen, einfach zu erfassen sein, technisch funktionell & schnell zu laden und unkompliziert zu teilen sein.

„Glaubwürdigkeit und Vertrauen als Basisgrößen für Reputation im Social Web“ besprachen Mag. Sieglinde Martin & Dr. Stefan Wehmeier (FHWien-Studiengänge der WKW, KOMM) – wie weit die Glaubwürdigkeit in diesem Fall geht, wenn der Vortragende selbst ein Facebook-Verweigerer ist, bleibt dahingestellt.

Kodaks multinationale Social Media Kampagnen unter dem Motto „You press the button, we do the rest“ (zB der via Email fütterbare digitale Fotorahmen) stellte Madlen Nicolaus (Social Media Managerin Kodak EAMER) vor. Und Mag. Thomas Mayer (Senior Brand Manager T-Mobile Austria) versteht unter Social Campaigning das „zusammen-buzzen“ von Charity und Werbung.

4. Integrierte SoM Communication: „Zwischen Sinn und Unsinn.“

Den Sinn des sozialmedialen Lebens zu erforschen war der Auftrag an den letzten Session-Block. Den Start machte ein Video-Vortrag von Bob Pearson (ehem. VP Dell für Community & Conversations, jetzt Chief Technology & Media Officer, WCG), der leider auf Grund der schlechten Audioqualität kaum zu verstehen war. Betriebswirtschaftliche Aspekte des Reputationsmanagement beleuchteten Mag. Martin-Hannes Giesswein (Country Manager NOKIA Österreich) und Erich Morawek, MBA (Society for Management and Internet). Social Media im Personalmarketing samt Do’s and Don’ts brachte Robindro Ullah (Referent Hochschulmarketing DB Mobility Logistics AG) sympathisch & ehrlich, angereichert mit Monitoring-Einblicken in die Online-Aktivitäten der Deutschen Bahn.

Fazit: Einführungsveranstaltung, die hoffentlich Lust auf mehr macht.

Manch Teilnehmer sprach von einer Konferenz „Von Experten für Experten“ – wo ich nur bis zu einem gewissen Grad zustimme. Es war eine Einführungsveranstaltung von Social Media Marketers für Werbe- bzw. Kommunikationsfachmenschen, die sich bisher nur wenig bis kaum mit Social Media im professionellen Kontext auseinandergesetzt haben, und sich daher Best Practise Beispiele und Handlungsempfehlungen abholen wollten. Das wurde v.a. bei den Meldungen aus dem Publikum – wenn überhaupt vorhanden, im Gegensatz zu offeneren Eventformaten wie Barcamps oder Unconferences – offensichtlich: „Können auf Facebook Places auch Unternehmen Orte eintragen, oder nur User?“ Ein Beweis dafür, dass noch kaum bis gar keine Auseinandersetzung mit aktuellen Trends wie beispielsweise LBS stattgefunden hat. Bleibt zu hoffen, dass die Buzzattack! dem bzw. der ein oder anderen Werbeverantwortlichen Lust auf mehr gemacht hat – und somit einen weiteren Milestone gesetzt hat in Richtung sozialmedialem Marken-Engagement mit dem Ziel einer transparenten, authentischen und userorientierten Kommunikationsstrategie.

Stichwort Buzz: Einen detaillierten Rückblick gibt es bei der veranstaltenden Agentur ambuzzador samt Fotostream und allen Vortragsunterlagen. Währenddessen erschien ein „fast“ Live-Bereicht in der futurezone. Johannes N veröffentlichte seine Gedanken dazu gleich am Abend des Events, Oleksandr Hnatenko seine visuellen Impressionen im OH! Blog, Maximilian Mondel auf b24.at, Martin Mühl via helgepayer.com. Bei Mediapartner The Gap resummieren Nuri Nurbachsch in seiner Kolumne sowie noch ein Martin Mühl. Das trotz mangelhaften WLAN & Netz-Empfangs muntere Gezwitschere findet sich chronologisch mittels Twitter Search und angereichert via Twazzup, die angemeldeten Twitterati des Events auf Lanyrd.

Twazzup Buzzattack

Twazzup aggregiert die Twitteraktivitäten zu einem Keyword oder Hashtag, in diesem Fall #buzzattack10

PS: Für die frühmorgendliche Anfahrt auf den Kahlenberg verkündete Günter Strobl auf Twitter eine Mitfahrgelegenheit im Elektroauto TH!NK, die ich in Anspruch nehmen durfte. Danke dafür und ein Hoch der gelebten sozialmedialen Interaktion – in Sachen Vernetzung und Ressourcenschonung 🙂